
Rollenspielseminar
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Seminar "Ich bin doch eigentlich ganz anders"
Vom 18. – 20. September 2009 fand im ruhigen und besinnlichen Rahmen des Klosters Neusatz, am Rande des Hochschwarzwalds unter dem Motto “Ich bin doch eigentlich ganz anders“ ein Wochenendseminar des Kreuzbunds zum Thema Rollen und Rollenspiele statt. Die Schirmherrschaft hatte der allseits geschätzte DV-Vorstand Helmut Wienecke, Referentin war Frau Margrit Baumgartner, die lange Jahre als Therapeutin in der Fachklinik Renchen tätig war.
Eine erste soziologische Bestimmung des Begriffs “Rolle“
nahm Ferdinand Tönnies 1887 vor, indem er den Menschen als soziale
„Person“ und Träger von sozial differenzierten Rollen beschrieb, der die
“Gesellschaft“ mit anderen zu eigenem Vorteil willentlich sucht.
Margrit Baumgartner, die den inhaltlichen Rahmen des Seminars vorgab,
brachte die Gruppenteilnehmer/ -innen einander näher, z. B. durch
mental-koordinative Übungen. Bei diesen kommt es darauf an sich die
Namen, aber auch andere Eigenschaften der Anwesenden dadurch besonders
gut einzuprägen, dass nicht nur der Verstand, sondern auch der Körper
mit einbezogen werden, was die Konzentrationsfähigkeit, aber auch die
Merkfähigkeit der Lernenden enorm erhöht. Den Samstag begannen wir nach dem Frühstück mit einer Übung zum Thema Rollen. Unsere Aufgabe war es, umher zu gehen, sich dabei verschiedene Gefühlszustände oder unterschiedliche Lebensalter vorzustellen und diese durch die Art des Umhergehens zum Ausdruck zu bringen.
Danach näherten wir uns dem Thema "Rollen“ mit dem Ansatz des
"Psychodramas". Wir wurden aufgefordert, unsere eigene Persönlichkeit aus der Sicht einer anderen Person zu schildern. Hierzu sollten wir ein Idol, möglicherweise eine Person aus dem öffentlichen Leben, z. B. Barrack Obama, oder eine andere für uns wichtige Person, z. B. ein Verwandter, aussuchen und aus dessen Sicht etwas über uns selbst berichten. Es war gar nicht so einfach diese Aufgabe umzusetzen, jedenfalls nicht für alle Anwesenden. An dieser Stelle ist positiv zu erwähnen, dass dieses Mal die Seminarteilnehmer sehr gleichmäßig nach Seminarerfahrung gegliedert waren. Das brachte für den Verlauf des Wochenendes teils ungewohnte, teils aber auch sehr erfrischende Momente für alle Beteiligten. Der
Nachmittag war dem Begriff “Inneres Team“ vorbehalten,
einem psychologischen Modell des Kommunikationswissenschaftlers
Friedemann Schulz von Thun (*1944), der sich mit dem Thema der
funktionierenden Kommunikation beschäftigt. Dabei fand er heraus, dass
eine der wichtigsten Voraussetzungen klarer Kommunikation die
Selbstklärung ist..
Es war durchaus schlüssig, sich mit den inneren Akteuren, die in ihrem Zusammenspiel unser Verhalten bestimmen, zu widmen. Es ist wichtig, jedes Innere Teammitglied zu würdigen, denn „innere Pluralität“ ist menschlich und wertvoll. Doch je nach Ablauf der inneren Diskussionen, je nachdem, wie sich das „innere Betriebsklima“ gestaltet und ob eine gute Gesprächsleitung vorhanden ist, können wir über ein „Inneres Team“ verfügen – oder aber unter einem ewig zerstrittenen Haufen leiden, mit nachteiligen Folgen auch für die Kommunikation nach außen. Veranschaulicht wurde dieses Zusammenspiel am Beispiel eines Teilnehmers und der konkreten Fragestellung nach dem Erledigen von Aufgaben, sofort, morgen, oder übermorgen. Dieser Teilnehmer sollte sich eine Entscheidungssituation vorstellen und dazu verschiedene seiner Rollen benennen. In der Folge konnten wir feststellen, welche Akteure die Entscheidungsfindung wie stark beeinflussten. Hierbei ließ sich sehr anschaulich zeigen, dass zum einen mehrere Akteure existieren, mit teilweise ganz gegensätzlichen Intentionen und Interessen, zum andern aber auch zwischen diesen verschiedenen Akteuren so etwas wie Koalitionen entstehen können. In
der Literatur findet sich hierzu in Hermann Hesses Roman Der
Steppenwolf eine passende Allegorie: Das Zusammenwirken dieser inneren Akteure verändert sich allerdings bei uns suchtkranken Menschen in ganz außergewöhnlichem Maße, weil das jeweilige Suchtmittel auf das Zusammenwirken des inneren Teams Einfluss nimmt und sich dadurch unsere Verhaltensweisen und Entscheidungen verändern. Am
Sonntagvormittag beschäftigten wir uns dann mit der Nachbetrachtung des
Seminars. In Kleingruppen von vier Personen sollten wir unsere
Eindrücke sammeln und visualisieren. Hierzu wählten die Gruppen
unterschiedliche Formen der Darstellung. Die erste Gruppe kreierte ein
Brettspiel namens Rollopoly, die zweite drückte das Erlebte durch ein
Bild aus und die dritte führte ein kurzes Theaterstück auf. Last not
least die vierte Gruppe, welche ein Diagramm mit Lebenslinien zeichnete. Bernd Bruno Klöpfer Jörg Weingärtner
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