Selbsthilfe- und Helfergemeinschaft

für Suchtkranke und Angehörige

Diözesanverband Freiburg e.V.

KreuzbundDiözesanverband Freiburg e.V.

Bericht: Allgemeines Seminar III 2021

Zeit19.–21.11.2021
OrtBildungshaus St. Bernhard
ThemaWer seine Stärken nicht kennt, kämpft ständig mit seinen Schwächen
ReferentKlaus E. Harter, ehem. PSB Sigmaringen
BerichtDagmar Häring-Sinn
BilderGerhard Häring

Am Freitagabend um 19 Uhr starteten wir mit unserem Seminar. Klaus Harter stellte sich vor und machte mit uns einige Kennen­lernspiele, was die Stimmung sehr auflockerte. Um unsere Stärken auszuloten und festzuhalten, betrachteten wir fünf verschiedene Stichpunkte. Diese sollten uns bewusst machen, dass wir darauf zurückgreifen können.

Klaus hatte Tücher in verschiedenen Farben dabei, wir sollten gemeinsam jedem dieser Punkte eine Farbe zuordnen.

Beziehung=>hellrotes Tuch
Selbsthilfe=>gelbes Tuch
Körper=>schwarzes Tuch
Seele=>weißes Tuch
Spiritualität=>grünes und dunkelrotes Tuch

Beziehungen

Hier geht es in erster Linie um das Lebensfeld Familie (auch Ehe), Liebe, Beziehungen zu Freunden, Verwandten, Geschäftskollegen und auch zu seinen Hobbys hat jeder eine Beziehung. In der Ehe oder Paarbeziehung sind die Stärken:

  • Kompromisse bilden können
  • sich in den anderen einfühlen können, Empathie
  • Verständnis für die Bedürfnisse des anderen haben
  • sich geborgen fühlen können
  • offen über jedes Thema reden können
  • sich im Bedarfsfall auch mal Luft machen können (hier auf den Ton achten), ohne dass der andere gleich beleidigt ist. Hier geht es um Ehrlichkeit
  • seine Liebe zeigen und auch mal äußern
  • ungute (toxische) Freundschaften beenden zu können

Ungünstig ist es, in der Beziehung Macht ausüben zu wollen, dann wird die Beziehung toxisch. Einer ist dann dominierend, eine Beziehung sollte aber auf Augenhöhe sein!

Beziehung und Sucht

Wir werden nicht freiwillig zum Alkoholiker. Der Sucht geht in der Regel irgendeine emotionale Abhängig­keit voraus (toxisch). Um diesen Kreislauf zu unterbrechen, muss sich jeder selbst erlauben, etwas dagegen zu tun, das heißt unser Selbstkonzept zu ändern. Wichtig und hilfreich ist, darüber zu reden. Mit dem Partner, Freunden und der Gruppe, sich so verschiedene Wege aufzeigen lassen, um die emotionale Abhängig­keit beenden zu können und somit sein Selbstkonzept zu ändern.

Bei konträren Diskussionen zwischen den Partnern zieht der Angehörige manchmal die Karte:

Du hast schließlich gesoffen. Dieser Aussage sollte der Betroffene dagegenhalten. Es ist für ihn wichtig, sich nicht nur auf das Trinken reduzieren zu lassen.

Andererseits sollte der Betroffene auch die Enttäuschung, den Schmerz und das Leiden der Angehörigen verstehen und anerkennen.

Anmerkung: Fähigkeiten, die man selbst gut kann, z.B. gut formulieren, werden vom anderen unter Umständen als dominant sein verstanden.

Die sogenannten Klugschwätzer oder Überbügler haben eigentlich eine positive Absicht, nämlich was Schlechtes zu beenden und was Gutes hervorzuholen. Nur an der Art der Umsetzung hapert es.

Selbsthilfe

Bei der Selbsthilfe geht es um Begriffe wie Erfahrung, Hoffnung, Wegbegleitung. Im Gruppen­abend kommt man runter, jeder kann seine Probleme vertrauensvoll offenlegen und darüber reden und so seine Sorgen mit anderen teilen. Jedes Problem ist gleich groß und gleich wichtig. Verschiedene Gruppen­mitglieder sagen ihre Meinung dazu und der Betroffene hört somit verschiedenen Lösungsansätze und kann sich dann aus mehreren Blickwinkeln aussuchen, was für ihn hilfreich ist. Bei der Umsetzung bieten wir auch Begleitung an, eine Weg­gefährtenschaft, falls dies gewünscht sein sollte. Die meisten Kreuz­bund­mitglieder sprechen von der Kreuzbundfamilie.

Körper

Wenn der Körper sich wohlfühlt, dann fühlt man sich auch meist psychisch gut drauf. Wichtig ist hier:

  • gesunde Ernährung, viel Obst und Gemüse
  • genügend sportliche Betätigung
  • auf genügend Ruhepausen achten
  • sich z.B. evtl. Hilfe und Unter­stützung suchen bei Nikotinverzicht
  • generell auf seinen Körper hören, denn der Körper empfindet Schmerzen
  • Sexualität

Seele

Optimal ist es, wenn die Seele einigermaßen ausgeglichen ist. Danach sollten wir trachten. Hierzu können wir selbst etwas tun:

  • sich selbst lieben und achten
  • ein Selbstkonzept entwickeln und danach leben
  • Demut
  • Sensibilität für sich selbst haben
  • sich selbst und anderen Fehler verzeihen
  • versuchen positiv zu denken und ein Optimist zu sein

Spiritualität

Spiritualität ist die Suche, die Hinwendung, die unmittelbare Anschauung oder das subjektive Erleben einer sinnlich nicht fassbaren und rational nicht erklärbaren transzendenten Wirklichkeit, die der materiellen Welt zugrunde liegt.

Die Spiritualität hängt auch mit der Schuldfrage/Sinnfrage zusammen. Diese beiden Fragen führen zur Spiritualität. Die Schuldfrage ist nur ein Zwischen­schritt. Wenn wir den Alkoholkonsum als Versuch, besser zurecht zu kommen und somit als Selbstheilungsversuch betrachten, mindert das die Schuldhaftigkeit enorm und führt uns zur Sinnfrage „Warum, wieso“? Wenn wir dann erkennen, dass es nicht nur DIE Ursache gibt, sondern dass es viele Ursachen haben kann und wir letztendlich nicht genau wissen was, führt uns das zu unserer Spiritualität.

Wir können unsere Spiritualität fördern und bekräftigen, indem wir

  • unser Suchtleben einbetten in unseren Lebenslauf
  • die Freude in unser Leben lassen und emp-finden können
  • öfter mal innehalten und innerlich schauen, wo stehe ich gerade
  • unseren persönlichen, weltanschaulichen Glauben haben, bei dem es sich um psychische Zustände und Erfahrungen handelt, die Auswirkungen auf unsere Lebensführung und unsere ethischen Vorstellungen haben

Zum Thema Beziehungen wurden 3 Rollenspiele durchgeführt, die ich hier im Einzelnen nicht wiedergeben möchte. Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass die verschiedenen Rollenspiele auch in ihrem Innern etwas bewegt haben und zum Teil sogar zu anderen Betrachtungsweisen geführt haben.